Vom Busch
ins
Internetcafe
Ein Reisebericht mit Anmerkungen über Afrika (Ghana)
Copyright by Gebhard Kienzler 2010
Afrika
Stinkende alte Vehikel, Stoßstange an Stoßstange, Abgase und Lärm!
Alle hatten mich vor dieser Reise gewarnt, vor der Reise nach Afrika, alleine und ohne Begleitung!
So stand ich nun da um diese vielbefahrene Straße zu überqueren, denn ich wollte zum Strand!
Aber über diese Straße musste ich kommen, eine passende Lücke im schier unendlichen Verkehr abwartend stand ich da, als einziger Weißer, rings um mich herum nur Menschen mit dunkler Haut!
Und dann geschah etwas Wunderbares! Etwas schier Unglaubwürdiges!
Eine fremde Hand ergriff die Meinige und führte mich sicher auf die andere Straßenseite! Ein schwarzer Engel dachte ich zuerst! Aber nein, weit gefehlt! Das sind die Menschen in diesem Teil des schwarzen Kontinents, in Ghana!
Menschen voller Stolz, Lebensfreude, Wärme und Herzlichkeit! Eine Herzlichkeit die man hier im kalten Europa nicht kennt, und ich vermisse!
Afrika, ein Kontinent voller Gegensätze und Emotionen, der von den reichen Staaten der Welt mit scheinheiligen Entwicklungshilfen unterstützt, ansonsten aber mit aller Macht ausgebeutet wird.
Ein Kontinent, den ich im Jahre 1988 zum ersten Mal besuchte. Damals war ich in Kenia, dem wohl bekanntesten Urlaubsland auf diesem Kontinent. Doch wer in Kenia in den von Europäern geführten Hotels war, eventuell noch auf Safari, hat zwar viel erlebt, aber Afrika nicht richtig kennen gelernt!
Damals störte mich schon, dass nur die Hotelbesitzer daran eine goldene Nase verdienen, die einheimischen Beschäftigten aber mit einem Hungerlohn abgespeist werden.
So wurde auch immer davor gewarnt, Safaris und Ausflüge über Afrikaner zu buchen, mit dem Vorwand es sei zu gefährlich. In Wirklichkeit aber ging es nur darum, diese Menschen nicht am Tourismus verdienen zu lassen.
Irgendwann blieb auch an mir die moderne Zeit hängen, und ich war plötzlich online mit der Welt verbunden. So ging es nicht lange, und ich hatte Kontakt zu Personen aus Afrika, meist Ghana.
Rasch war die Sehnsucht nach diesem Kontinent wieder in mir erwacht, und ich beschloss eine Reise dorthin. Ich erkundigte mich nach Hotels, da Ghana aber touristisch noch kaum erschlossen ist, war dies ein schwieriges Unterfangen.
Über das Internet nahm, ich Kontakt zu einem Veranstalter in Ghana auf. Er bot mir ein Hotel an, 40 Euro die Nacht! Ich war schockiert und bat um ein Angebot über billigere Hotels. Das wollte er auch tun, aber zuvor sollte ich ihm Geld für seinen Dienst überweisen. Den Grund habe ich damals noch nicht verstanden.
Also suchte ich selbst und wurde fündig! Ein Hotel, Übernachtung mit Frühstück, für 10 Euro die Nacht. So bat ich Dela, einer der damals eigentlich noch unbekannt Bekannten in Ghana, dies für mich zu überprüfen. Ich sagte ihm, ich brauche ein Bett, eine Dusche, und es soll sauber sein! So machte er mir das Angebot bei ihm zu wohnen. Ich lies mich auf dieses Abenteuer ein, und wurde dafür belohnt!
So erlebte ich das wirkliche Afrika!
Die Ankunft
Ich prallte gegen eine Wand! So empfand ich die afrikanische Wärme um Mitternacht, als ich aus dem Allitaliaflieger in Accra, der Hauptstadt Ghanas stieg, um afrikanischen Boden zu Betreten. Allitalia war die billigste Airline die ich fand, und warum sollte ich nicht damit fliegen, wenn selbst der Papst diese Gesellschaft benutzt?
Der Flug führte von Frankfurt nach Mailand, dort wurde in eine größere Maschine umgestiegen. Und schon war dieses afrikanische Gefühl in mir, denn die meisten der Passagiere waren Afrikaner.
Die Reise war mit Ausnahme des meuternden Mitfliegers, der wie ich auf dem Rückflug erfuhr, von Italien zurück nach Ghana abgeschoben wurde, unspektakulär.
Aber umso beeindruckender war der Flug über die Sahara in der untergehenden Abendsonne. Die westlich, von der Sonne angestrahlten Seite der Sanddünen leuchtete in einem glänzenden Blutrot, während die der Sonne abgewendete Seite pechschwarz war, und irgendwo dazwischen sah man eine Karawane ihren Weg ziehen.
Nun hieß es erst einmal tief durch und die afrikanische Luft einzuatmen, und der Menge in die Eingangshalle des Flughafens zu folgen. Wobei Eingangshalle nur in sofern stimmt, dass es wie eine Halle, eine Abstellhalle, aussah.
Durch die geöffnete Tür erklang Musik, typisch afrikanische Klänge. Bob Marley dachte ich zuerst, genauso war die Musikrichtung! Und schon sah ich die zwei jungen Musikanten, natürlich in Landesfarben gekleidet. Rot, grün, gelb! Diese Farben begleiteten mich 3 Wochen lang! Dieses Volk ist stolz auf ihre Flagge, auf ihr Land!
Die beiden Herren saßen auf dem Boden, der eine 2 Trommeln vor sich, der andere klimperte auf einem alten Keyboard, und dies Klänge hallten durch die nackte Halle. Beinahe nackt! Ein roter alter ausgetretener Teppich stach von dem kalt wirkenden Betonboden ab.
Wo wird man, wenn man nicht gerade als politischer Staatsgast empfangen wird, so freundlich herzlich begrüßt?
Schweiß stand auf meiner Stirn, und ich betrat die nächste Halle, in der ein ebenfalls sehr höfliche Herr, dessen Uniform etwas zu groß geraten schien, meine Papiere sehen wollte. Er fragte mich etwas, was ich nicht so richtig verstand. Es war englisch, aber nicht das Englisch das ich erlernte, sondern englisch von einem anderen Stern! Nein, von einem anderen Kontinent! Eine Aussprache die sehr gewöhnungsbedürftig ist, und mir die ersten Tage sehr große Mühe bereitete.
Er wünschte mir, mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht, einen angenehmen Aufenthalt. Ich schnappte meinen Koffer vom Fliesband und machte mich auf den Weg zum Ausgang.
Was mache ich, wenn Dela nicht da ist um mich abzuholen? Nur kurz machte ich mir diesen Gedanken, und ich lies alles auf mich zukommen, wie den Rest der gesamten Reise, was der einzige und richtige Weg war.
Übe dich in Gelassenheit, so war mein Motto dieses Trips.
Vor dem Flughafengebäude warteten viele Menschen hinter Absperrungen, die ihre Freunde oder Angehörige empfangen wollten. Ich, bleich wie Europäer nun mal anfangs März sind, stach aus den Menschen die aus dem Bauwerk traten, wie ein Glühwürmchen heraus.
Und so wurde ich zugleich erkannt. Zwei junge Männer standen vor mir, der eine muss Dela sein denke ich, jawohl so habe ich sein Gesicht aus dem Internet in Erinnerung. Ein sehr zögerliches Hallo war aus seinem Munde zu hören, und er bat mich ihm zu einem Taxi zu folgen. Schon wollte ein Mann in Uniform mir das Gepäck abnehmen. Nein, das gebe ich nicht her! Das trage ich selbst! Wer weiß was damit geschieht. Dela aber nickte zustimmend, und so lies ich doch mein Gepäck zum Taxi tragen.
Welch eine Überraschung! Als der Taxifahrer den Kofferraum des alten Opels öffnete, erkannte ich ein „ D „ Aufkleber, schwarz in weißem Oval. Also ein Stück Heimat!
Damals wusste ich noch nicht, dass skrupellose Händler ganze Schiffsladungen mit ausrangierten, verkehrsuntüchtigen alten deutschen Schrottautos nach Westafrika verschicken, und mit Schrott die Afrikaner abzocken. Diese aber sind froh einen Wagen zu besitzen, und ist er noch so klapprig.
Ich stieg ein, und schon spürte ich eine abgebrochene Feder im Sitz sehr unangenehm in meinem Hinterteil.
Los ging die Fahrt, kein Anschnallen war möglich, was in mir etwas Unwohlsein verursachte. Als pflichtbewusster deutscher ist dies eine neue Erfahrung, aber man gewöhnt sich schnell daran.
Da es mitten in der Nacht war, konnte ich nicht genau erkennen wohin die Fahrt wirklich ging.
Nach etwa 15 Minuten hielten wir an. Ich traute meinen Augen kaum, eine Shellstation, modern mit großer Verkaufsfläche, wie Zuhause. Dela wollte mich hier stolz einem Freund vorstellen, und ich folgte. Hatte ich eine andere Wahl?
Dieser Ort sollte unser beinahe allabendlicher Treffpunkt werden, ein Platz der ein extra Kapitel wert ist.
Nach kurzem „Hallo“ und „How are you” bestiegen wir wieder das Taxi. Nur kurze Zeit später bogen wir rechts in eine Seitenstraße ab, ein mit Schlaglöchern übersäter Weg der mal zur Straße werden sollte. Wir waren da! Alles war dunkel und ich folgte Dela blindlings ins Haus. Über eine enge Holztreppe ging es nach oben, dann durch eine quietschende Fliegengittertür in einen Vorraum. Dies war der Treffpunkt des Hauses, ein Platz an dem gekocht, getratscht und gelacht wurde.
Dela klopfte an eine Tür, ich fragte ob er zuhause immer erst anklopft bevor er eintritt? Dann hörte man von innen Geräusche, es war ein junger Hausbewohner der in Delas Abwesenheit dies Zimmer mit seiner Freundin „ hütete“. Damals war das Mädchen noch gut auf mich zu Sprechen, dies sollte sich aber ändern.
Was erwartet mich nun hinter der alten Tür? Einen für afrikanische Verhältnisse noblen Raum. Wie in einem baufälligen abbruchreifen alten Hotel bei uns. Ein großes Bett füllte beinahe den kompletten Raum aus. An der rechten Wand stand ein alter Schrank, Er hatte 2 Türen, das Furnier meist abgebröckelt, aber er hatte einen Spiegel, besser gesagt einen Spiegelscherben, etwa 10 Quadratzentimeter groß auf der einen Tür aufgeklebt. Dieser war für mich sehr wichtig, denn ich benötigte ihn, um mich beim Rasieren darin zu betrachten! Folgend dann ein Schreibtisch, ein Stuhl und ein großer Kühlschrank, der meist leer war, bis auf Wasser, Wasser in Plastikbeuteln oder alten Colaflaschen.
Links im Raum stand eine Konsole mit TV und DVD Recorder!
Danach ging es durch eine „ baufällige“ Tür in das Badezimmer, es war sauber! Aber ich denke es ist bestimmt nicht jedermanns Sache so etwas zu Benutzen. Das WC war ohne Sitz, die Kacheln an der Wand waren nicht mehr vollständig, und neben der Badewanne stand ein großer Kunststoffbehälter, gefüllt mit Wasser, das in Eimern nach oben getragen wurde. Und daneben ein größerer Becher, der als Schöpfkelle diente. Dies war die Wasserzufuhr in diesem Badezimmer, etwas ungewöhnlich, aber es funktioniert.
Immerhin war dieses Bad so komfortabel, dass viele Bekannten Delas in dieses Haus kamen um hier zu Duschen, was zur Folge hatte, dass mein Shampooverbrauch extrem hoch war, bis ich bemerkte, dass alle Duschebenutzer ganz selbstverständlich dies mitbenutzten.
Das Waschbecken wurde nur zur Ablage des schmutzigen Geschirrs benutzt.
Im Wohnraumaum selbst stand noch eine Gasflasche, die zum betreiben des Kochfeldes diente, eine kleines Gerät mit 2 Kochfeldern. Selbst die gesamten Küchenutensilien waren hier verstaut. Ein Reiskocher, 2 Schüsseln, 2 mit dellen übersäte Kochtöpfe, ein Salatsieb, 2 Löffel und ein großes Messer. Was braucht man mehr?
Eigentlich war es mehr eine Bruchbude als ein gemütliches Zimmer. Alte Stofffetzen hingen an denen mit Fliegengittern versehenen Fenstern. Grau mit einem leicht bläulich, blumigem Muster.
Der erste Tag
Weit entferntes Rufen rüttelte mich aus meinem Schlaf. Als ich die Augen öffnete erkannte ich, dass die Sonne bereits hoch am Himmel stand.
Und das Rufen entpuppte sich als Gesang eines islamischen Geistlichen aus seinem Minarett.
Obwohl die meisten der Ghanaer christlichen Glaubens sind, gibt es in vielen Orten kleine Minarette. Hier wird das friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen demonstriert! Dies sollte als Vorbild für die restliche Welt genommen werden!
Nun aber erst erkannte ich, wo ich gestrandet war. Würde mir in Europa solch eine Unterkunft angeboten, täte ich bestimmt dankend, und eventuell mit barschen Worten, ablehnen! Hier fragte ich mich nicht das letzte Mal an diesem Tag, war es richtig hier her zu kommen?
Aber ich war im Urlaub! Also übe dich in Gelassenheit!
Obwohl Fliegengitter die Fensterscheiben ersetzten, und dadurch die Luft zirkulieren konnte, empfand ich es an diesem Morgen als sehr warm, beinahe unangenehm. Kein Wunder, denn selbst in der Nacht fallen die Temperaturen selten unter 20 Grad.
Jetzt erst erkannte ich, welch noble Herberge ich eigentlich doch bewohnte, denn der Fußboden war mit blauem Teppich ausgelegt, der regelmäßig mit einem Reisstrohbesen gekehrt wurde.
Auch Dela erwachte, und flugs hatte er das Handy am Ohr, zum telefonieren. In Deutschland empfinde ich dies schon als Geisel der Menschheit, die Abhängigkeit von diesem kleinen Elektrogerät, aber in Ghana ist dies eine absolute Landplage, ähnlich unserer Pest im Mittelalter, so mein Empfinden.
Frühstück wie ich es gewohnt bin gab es nicht. Im Reiskocher machte ich mir Teewasser, und zum Essen eine Scheibe Toast mit Margarine. Frühstück kennen diese Menschen nicht, nur wenn vom Mahl des vergangenen Abends etwas über ist, wird dies gegessen.
Aber was nun kam, erstaunte mich! Zuerst lernte ich, dass vor jedem Ausgehen geduscht wird! Eigentlich eine angenehme Sache! Dann trat das Bügeleisen in Aktion. Nach dem Handy das wichtigste Gerät, noch vor dem Reiskocher! Mein Shirt schrie beinahe als es unter dem Eisen lag. Sind meine Kleidungsstücke, die meisten zumindest, das Bügeln doch nicht gewohnt!
Es klopfte, und herein trat eine junge attraktive Dame, in einem braunen langen Kleid im landesüblichen Stil, mit passendem Kopftuch. Schmuck und edel sah sie aus. Unter ihrem Arm trug sie ein weißes rechteckiges Kästchen, was sich als Laptop entpuppte, dies muss wohl der Prototyp der heutigen handelsüblichen Geräte gewesen sein. Sie fragte Dela ob er sich damit auskenne und es starten könnte. Er verneinte.
Während die beiden sich weiter unterhielten, ich verstand es ja doch nicht, schaute ich aus dem Fenster um die Umgebung zu betrachten. Palmen, rote Erde, und gegenüber ein sehr edles Haus, von einem Europäer bewohnt, und daneben eine einstöckige Hütte. Wie wenn hier bei uns kleine Jungs aus alten Brettern und Blechtafeln sich eine Hütte zusammenzimmern, dies war mein erster Gedanke bei dem Anblick. Davor saßen 3 Männer, die im Gleichklang sich die Zähne schruppten. Aha, Reinlichkeit ist wirklich Trumpf! Was sich immer wieder als sehr angenehm erweisen sollte.
Schrottauto neben Schrottauto, das sah ich als wir nach etwa 5 Minuten Fußmarsch die große Kreuzung erreichten. Gelbe oder orangefarbige Kotflügel kennzeichnen diese Fahrzeuge als Taxis, immer auf Kundschaft wartend.
Und dann, so viele neue Eindrücke auf einmal! Die sehr stark befahrene Straße, die an der Küste entlang führt, mit einem Verkehrsaufkommen wie in Europa, verschiedene Verkaufsstände, wuselnde Menschenmassen, Männer die aus Kleinbussen herausschrien, ich fühlte mich in eine andere Welt versetzt, was ich schließlich auch war. Und auch hier wieder stach ich heraus, nirgendwo erblickte ich einen anderen Weißen, aber keiner störte sich daran.
Wir bestiegen einen dieser Kleinbusse, Trotros genannt, aus denen ein junger Mann, mit Geldscheinen in der Hand wedelnd, an der offenen Schiebetür stehend, herausschrie.
Das ist der Beifahrer, die Fahrstrecke rufend, die Gäste einladen und abkassieren, dies ist seine Aufgabe, damit der Fahrer sich voll auf seinen Job konzentrieren kann.
Die alten hinteren Sitzreihen wurden durch leicht gepolsterte, mit olivgrünem Kunstleder bezogene Platten die auf einfache Metallrahmen befestigt wurden, ersetzt. Das ist in allen dieser Busse so, um mehr Person Platz zu bieten. Wie Heringe in der Dose werden die Menschen hineingequetscht. Hier empfand ich die Reinlichkeit der Menschen zum ersten Mal als angenehm. Keine unangenehmen schweißähnliche Gerüche, kein Gestank, und das in einem tropischen Land.
Nach Accra ging unsere Fahrt, ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, über alles Neue was ich am Straßenrand erblickte.
Eines viel mir sofort auf, starker Verkehr, hupende Fahrzeuge, aber rücksichtsvolle Fahrer. Wenn ein anderes Fahrzeug in die Straße einbiegen wollte, wurde es selbstverständlich hereingelassen. Ein sehr bemerkenswerter positiver Unterschied zu Deutschland! Darum sah ich in den 3 Wochen meines Verweilens keinen Unfall.
Ich war von der Fülle dessen was ich sah so beeindruckt, dass ich mich an keine Einzelheiten mehr erinnern kann.
Später, auf dem halben Nachhauseweg, hielt unser Bus mitten auf freiem Feld an, Dela forderte mich auf mit auszusteigen. Da standen wir nun, Dela die Dame und ich. Was nun fragte ich mich?
Wir marschierten los, der Pfad lenkte uns durch einzelne Büsche und Staub! Roter Staub! Nach einigen Minuten erkannte ich in der Ferne eine Ansammlung von Hütten, das also war unser Ziel. Das Zuhause der Dame, die uns zum Essen einlud. Und wie überall schlängelte sich zwischen den Behausungen Bäche, übel riechende Bäche hindurch, die Kanalisation. Alles wird hier abgeleitet. Fäkalien, Müll … .
Aber noch bemerkenswerter empfand ich die Sonnenschirme, die alle paar hundert Meter den Wegesrand säumten, diese sind mir am Morgen bei unserem Marsch zur Haltestelle schon aufgefallen. Sonnenschirme, Schrifttafeln, und ein Mensch hinter einem Tischchen sitzend! Was soll das fragte ich mich? Die Antwort erhielt ich später.
Lauter Flachbauten, teils mit halbzerfallenen Mauer begrenzt, bildete diese Siedlung, und in einem dieser Häuser, einem der vornehmsten, wohnte diese Dame. Sie bat uns herein, große dunkle Räume, aber angenehm temperiert. Im Wohnraum, ein riesiger Ventilator an der Decke, ein großes Bett, eine Couch mit Tisch davor, und natürlich der Fernsehapparat!
Die Küche selbst war ebenfalls sehr groß, aber nahezu leer. Ein Kocher, ein Tisch für die Zubereitung der Speisen, ein hölzerner Bottich und ein Knüppel der im Eck stand. Wozu benötigt man in der Küche einen Knüppel?
Natürlich zum stampfen des Fufu, einer köstlichen Nationalspeise, bestehend aus Platane (Kochbanane) und einer für mich undefinierbaren Wurzel.
Ich setzte mich vors Haus, der Magen knurrte, und das Essen lies auf sich warten, daran musste ich mich gewöhnen. Zeit, in unserer Welt ein kostbares Gut, spielt hier keine Rolle.
Ich beobachtet die Geckos die überall an den Wänden herumkrabbelten, aber eines hatte es mir besonders angetan. Etwa 30 Zentimeter lang, knallorange mit glänzend schwarzem Schwanz, sonnte sich auf einem Stein. Ich bewunderte diese kräftige Farbe, und wurde durch Dela, der plötzlich neben mir stand, eine Schüssel mit Wasser in den Händen tragend, aufgeschreckt. Diese stellte er auf dem Boden ab. Oh Wasser für einen Hund dachte ich, hatte aber noch keinen gesehen oder gar bellen gehört. Weit gefehlt, denn das Wasser war für uns, zum Hände waschen! Besteck wird selten verwendet, zu was hat man denn Gottes Gabel, die Hände!
Dann brachte die Dame (den Namen habe ich leider, wie so viele andere auch, vergessen) das Mahl. Eine Schüssel mit Fufu, und eine mit Soupe!
Ich wartete bis Dela begann, ich wollte mich ja nicht blamieren. Also sah ich zu wie er seine Finger einsetzte. Mittel – und Zeigefinger sind dabei das wichtigste Werkzeug. Etwas Fufu, und damit in die Schüssel mit der Soße. Also auf geht’s! Kaum hatte ich es im Mund, stockte mir der Atem, die Augen tränten und Schweiß stand auf meiner Stirn. Ich liebe gut gewürzte Speisen, aber dies hier, höllisch!
Red Pepper! Bei uns als scharfer roter Paprika bekannt, mittlerweile Hauptbestandteil meiner Gewürze, war schuld.
Trotz Schärfe ist die ghanaische Küche aber eine absolute Köstlichkeit!
Auf dem Heimweg wollte Dela noch Units kaufen. Dies ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Menschen. Aber was sind Units?
Diese Frage wurde mir gleichzeitig mit der Frage nach dem Soll der Sonnenschirme beantwortet.
Das Zeitalter des Telefonhausanschlusses gab es hier nur in großen Städten mit den Behörden und Ämtern, dafür jetzt das Handyzeitalter, und das mit Macht! Ghana hat ca. 22 Millionen Einwohner, wovon bereits etwa die Hälfte schon ein Mobiltelefon besitzt.
Wie ein Sturm bricht die moderne Technik über diesen Kontinent herein, für die meisten der Bewohner zumindest, ist es wie eine Überrumpelung!
Vom Busch in das Internetcafe! Einige können Schritt halten, aber selbst viele der jungen Leute haben ihre Probleme damit.
Und Units sind nichts anderes als Einheiten, hätte ich ja von selbst drauf kommen können! Telefonkarten, und diese kann man bei den Händlern unter den Sonnenschirmen erwerben |